Das Cottage und seine prominenten Bewohner

Cottage Prominente: Gustav Mahler, Emmerich Kálmán, Arthur Schnitzler

Aus kleinen Anfängen im 19. Jahrhundert hat sich die wunderschöne Villensiedlung im 18. und 19. Gemeindebezirk zu einer der beliebtesten Adressen in Wien entwickelt. Schon damals galt: Im Cottage war „Reich und Schön“ zu Hause.

 

War das Cottage ursprünglich als mittelständische Wohnform für Beamte, Lehrer oder Offiziere gedacht, so gesellten sich bereits bald betuchte Künstler dazu. Sie kamen aus dem Konzertleben, vom k.u.k.-Hofburgtheater und der Hofoper. Bald entdeckten auch Journalisten, Schriftsteller, Ärzte und Rechtsanwälte sowie wohlhabende Bürger aus Finanzwelt und Industrie die allgemein geschätzte Grünlage fernab der Stadt. Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts stand das Cottage in der Rangordnung der besten Wohnadressen Wiens mit der Inneren Stadt und Hietzing – mit seiner Schönbrunn-Nähe – an vorderster Stelle. So ist es auch geblieben.

 

Inschrift Felix Salten

 

Das Bildungsbürgertum dominierte im Cottage und brachte Neues auf den verschiedenen Gebieten von Kunst, Wissenschaft und Politik hervor; ein Labor des Geisteslebens, von dem Anregungen in die ganze Welt hinausgingen – und gehen. Denn hier wohnen und wirken auch heute Künstler von internationalem Ruf, verfassen Autoren verschiedener Bereiche ihre Schriften und nehmen Persönlichkeiten als Politiker oder hohe Beamte Einfluss auf das öffentliche Leben.

 

Arthur Schnitzler Villa

 

Viele legen verständlicherweise keinen Wert, ihre Wohnadresse veröffentlicht zu sehen. Also begnügen wir uns mit verklungenen Namen. Arthur Schnitzler musste sich von seinem Bruder Geld borgen für den Kauf seines Hauses in der Sternwartestraße. Der Dichter Richard Beer-Hofmann schrieb mit dem „Schlaflied für Mirjam“ das wohl berühmteste Gedicht der Zeit um 1900. Und Felix Salten (Cottagegasse) schrieb nicht nur den Weltbestseller „Bambi“, sondern höchstwahrscheinlich auch die „Mutzenbacher“. Genau weiß man das bis heute nicht.

 

Theodor Herzl Cottage Türkenschanzpark
Theodor Herzl

Von Salten stammt aber auch ein Text über seine Jugend auf der noch völlig verwilderten Türkenschanze. Er schildert ein grausiges Kindheitserlebnis, als man die dort verscharrten Gefallenen aus der zweiten Türkenbelagerung exhumierte.

Eduard Hanslick, der gefürchtete Musikkritiker der „Neuen Freien Presse“, fuhr vom heutigen Kralik-Platz mit dem eigenen Einspänner in die Redaktion in der Fichtegasse, auch sein noch berühmterer Redaktionskollege  Theodor Herzl wohnte hier.

 

 

 

Als Komponisten von Weltruf sind Gustav Mahler (Weimarer Straße), Emmerich Kálmán (Hasenauerstraße) und Erich Wolfgang Korngold (Sternwartestraße) hervorzuheben. Auch die Operndiva Maria Cebotari (Weimarer Straße) und Bariton Thomas Hampson (Colloredogasse) waren bzw. sind international geschätzt.

 

Maria Cebotari, Erich Wolfgang Korngold, Alexander Girardi
Maria Cebotari, Erich Wolfgang Korngold, Alexander Girardi

 

Während des spektakulären Scheidungskriegs mit seiner Frau Helene Odilon verbarrikadierte sich der Burgtheater-Star Alexander Girardi in seiner Villa in der Lannerstraße, um der Einweisung in die Nervenheilanstalt zu entgehen; in der Gymnasiumstraße nahm gleich eine ganze Schauspielerdynastie Quartier: Die Thimigs. Der Maler und Sänger Arik Brauer (Colloredogasse) ist im Cottage der Bekannteste seiner Zunft.

 

Arik Brauer Villa

 

Unter den Wissenschaftern haben die Physiker Ludwig Boltzmann (Haizingergasse) und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli (Anton-Frank-Gasse) größtes Ansehen errungen. Und in der Peter-Jordan-Straße ging die Elite der heimischen Nachkriegspolitik ein- und aus: Hier wohnte Bundeskanzler Leopold Figl mit seiner Familie. Seine Tochter lebt noch hier.

 

Cottage Prominente: Ludwig Boltzmann, Wolfgang Pauli, Oskar Marmorek
Ludwig Boltzmann, Wolfgang Pauli, Oskar Marmorek

 

Einige mussten nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 ihre Heimat verlassen, sie verloren Vermögen und Besitz. Der Autor und Journalist Georg Stefan Troller war ein solch unglücklicher Emigrant, ebenso der jüdische Stararchitekt Oskar Marmorek (Sternwartestraße). Wie er mussten auch die Komponisten Emmerich Kalman und Erich Wolfgang Korngold ins Exil – und das heimatliche Cottage für immer verlassen.

 

Emmerich Kálmán Villa

 

In unserem Beitrag Das Cottage – Luxuseigentum anno dazumal lesen Sie über die Entstehungsgeschichte der berühmten Villensiedlung rund um den Türkenschanzpark.

 

Das Beitragsbild zeigt: Gustav Mahler, Emmerich Kálmán und Arthur Schnitzler

 

 

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